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HORAK · RECHTLICHE EXPERTISE
Was sind kosmetische Mittel?

Was sind kosmetische Mittel?

Kosmetische Mittel sind nicht nur dekorative Kosmetika wie Lippenstift oder Make-Up, sondern alle Stoffe und Zubereitungen, die ausschließlich oder überwiegend dazu bestimmt sind, zu kosmetischen Zwecken äußerlich am Körper des Menschen oder in seiner Mundhöhle angewendet zu werden.

Dazu gehören auch Sonnenmilch, Seifen und Körperpflegemittel. Gemeinsam ist diesen Produkten laut Definition der EU-Kosmetikverordnung, dass sie zur Reinigung, zur Erhaltung eines guten Zustandes, zum Parfümieren oder zur Veränderung des Aussehens dienen - immer bezogen auf das Körperäußere (z.B. Haut, Haare, Fingernägel), die Zähne oder die Schleimhäute der Mundhöhle.

Müssen kosmetische Mittel zugelassen werden?

Kosmetische Mittel sind nicht zulassungspflichtig. Zugelassen werden müssen aber bestimmte Inhalts- und Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe oder UV-Filter. Das Zulassungsverfahren ist auf europäischer Ebene geregelt. Die Risikobewertung erfolgt durch das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS), die Zulassung wird von der Europäischen Kommission unter Einbeziehung der Mitgliedstaaten, des Europäischen Parlaments und des Rates erteilt.

Wer ist für die Sicherheit von kosmetischen Mitteln verantwortlich?

Für jedes kosmetische Mittel muss eine verantwortliche Person nach Art. 4 der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 bestimmt sein. Sie muss die einschlägigen Pflichten, darunter Sicherheitsbewertung, Produktinformationsdatei und Notifizierung, erfüllen. Händler haben eigene Pflichten. Produkte müssen bei normaler oder vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung sicher sein; die zuständigen Behörden überwachen den Markt.

Warum müssen kosmetische Mittel notifiziert werden?

Vor dem Inverkehrbringen muss die verantwortliche Person die erforderlichen Angaben über das Cosmetic Products Notification Portal (CPNP) übermitteln. Die Notifizierung ist keine behördliche Zulassung oder Sicherheitsbestätigung. Für bestimmte Nanomaterialien sieht Art. 16 zusätzliche Anforderungen und grundsätzlich einen sechsmonatigen Vorlauf vor; die dort geregelten Ausnahmen sind zu beachten.

Weitere Informationen zum Notifizierungsverfahren stellt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zur Verfügung.

Sind aluminiumhaltige Deos gesundheitsschädlich?

Nach der aktuellen BfR-Bewertung sind gesundheitliche Beeinträchtigungen bei täglicher Verwendung von Antitranspirantien mit Aluminiumchlorohydrat nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand unwahrscheinlich. Neuere Untersuchungen zeigen eine deutlich geringere Aufnahme über die Haut als früher angenommen. Die ältere Einschätzung von 2014 ist deshalb keine geeignete Grundlage für eine pauschale aktuelle Warnung.

Die Bewertung bezieht sich auf die untersuchten Anwendungen und ersetzt nicht die Beachtung der jeweiligen Gebrauchshinweise. Bei Hautreizungen oder Unverträglichkeiten sollte das betreffende Produkt nicht weiterverwendet und bei anhaltenden Beschwerden fachlicher Rat eingeholt werden.

Können permanente Haarfärbemittel Krebs verursachen?

Ein Krebsrisiko durch die Verwendung von Haarfärbemitteln ist nicht bekannt. Im Fokus der Risikobewertung stehen aber nach wie vor Allergien, die durch diese Produkte ausgelöst werden könnten.

Sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit auf das Haarefärben verzichtet werden?

Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch Haarfärbemittel, die während der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden, liegen derzeit nicht vor.

Warum werden Nanopartikel in kosmetischen Mitteln eingesetzt?

In Sonnenschutzcremes werden Nanopartikel aus Titandioxid und/oder Zinkoxid als UV-Filter eingesetzt, um die Haut vor UV-Strahlung zu schützen. Nanotechnologisch hergestellte Materialien (so genannte Biokomposite) in einer Zahncreme sollen den natürlichen Zahnreparaturmechanismus des Speichels unterstützen.

Kosmetische Mittel, die Bestandteile in Form von Nanomaterialien enthalten, müssen entsprechend der EU-Kosmetikverordnung (EU-KVO 1223/2009) im Verzeichnis der Inhaltsstoffe eine entsprechende Angabe der Inhaltsstoffe enthalten. Dem Namen dieser Bestandteile muss das Wort „Nano“ in Klammern folgen.

Was ist über die gesundheitliche Wirkung von Nanopartikeln in kosmetischen Mitteln bekannt?

Nanomaterialien sind nicht als einheitliche Stoffgruppe gesundheitlich zu beurteilen. Entscheidend sind unter anderem Stoff, Partikeleigenschaften, Konzentration und Aufnahmeweg. Für bestimmte zugelassene Formen von Nano-Titandioxid als UV-Filter beruhen die Sicherheitsbewertungen auf Hautanwendungen; daraus folgt keine pauschale Unbedenklichkeit beim Einatmen oder für alle Nanomaterialien.

Bei der Bewertung des gesundheitlichen Risikos von Nanopartikeln gibt es momentan noch viele offene Fragen. Weitgehend unbekannt sind die möglichen, aber experimentell nicht bewiesenen besonderen Wirkstärken von Partikeln im biologischen System, die auf deren Nanoskaligkeit beruhen. Zudem liegen zur Exposition des Menschen gegenüber Nanopartikeln nur wenige Daten vor.

Darf Sonnencreme mit UV-Filtern in Nanogröße für Babys verwendet werden?

Babys und Kleinkinder benötigen besonderen Schutz vor UV-Strahlung. Babys sollen im ersten Lebensjahr keiner direkten Sonne ausgesetzt werden; auch danach ist pralle Sonne zu vermeiden. Schatten, geeignete Kleidung und Kopfbedeckung stehen im Vordergrund. Die Aussage, Kinderhaut habe überhaupt keine eigene Schutzfunktion, ist unzutreffend.

Im ersten Lebensjahr sollen Sonnenschutzmittel möglichst vermieden werden; Schatten und Kleidung haben Vorrang. Für unbedeckte Hautstellen älterer Kinder kommt ein altersgeeignetes Sonnenschutzmittel unter Beachtung seiner Gebrauchshinweise in Betracht. Die Sicherheitsbewertung eines zugelassenen Nano-UV-Filters gilt für die jeweils geregelten Formen und Anwendungen. Sie rechtfertigt keine pauschale Aussage, jedes Nanoprodukt sei für jedes Kind und jeden Aufnahmeweg unbedenklich. Bei Hauterkrankungen oder individuellen Unsicherheiten ist kinder- beziehungsweise hautärztlicher Rat sinnvoll.

Sollten Verbraucher auf kosmetische Mittel, die Parabene enthalten, verzichten?

Konservierungsstoffe dürfen nur im Rahmen des Anhangs V der EU-Kosmetikverordnung verwendet werden. Bei Parabenen unterscheiden sich Zulässigkeit, Höchstkonzentrationen und Anwendungsbeschränkungen je nach konkretem Stoff. Die pauschale Aussage einer letzten Bewertung im Jahr 2011 ist überholt. Maßgeblich sind die aktuellen Einträge und die Sicherheitsbewertung des Produkts; individuelle Unverträglichkeiten bleiben zu berücksichtigen.

Wie gefährlich ist Arbutin in Hautaufhellungsmitteln?

Arbutin und Alpha-Arbutin können Hydrochinon freisetzen. Die Verordnung (EU) 2024/996 hat konkrete Beschränkungen eingeführt: Alpha-Arbutin ist in Gesichtscremes bis 2 Prozent und Körperlotionen bis 0,5 Prozent, Arbutin in Gesichtscremes bis 7 Prozent vorgesehen. Hydrochinon darf dabei nicht über unvermeidbare Spuren hinausgehen. Die Übergangsfristen für nicht entsprechende Produkte sind abgelaufen; weitere aktuelle Vorgaben und die vollständige Produktsicherheit sind zu prüfen.

Welche gesundheitlichen Risiken können mit einer Nagelmodellage verbunden sein?

Methacrylate, die in einigen Produkten zur Nagelmodellage enthalten sind, besitzen ein starkes Sensibilisierungspotenzial. Schäden am Nagel oder an der umgebenden Haut, die durch die Modellage entstehen, können über Jahre bestehen bleiben. Durch eine professionelle Anwendung von Nagelmodellage-Produkten, die insbesondere eine Vermeidung von Hautkontakt und einen geregelten Luftaustausch im Innenraum sicherstellt, können Risiken minimiert werden. Die Modellage der eigenen Nägel birgt für jeden Selbstanwender ein hohes Risiko der Sensibilisierung, weil ein unbeabsichtigter Hautkontakt nur schwer zu vermeiden ist.

Was versteht man unter einem „Cocktaileffekt“ in Zusammenhang mit Inhaltsstoffen aus kosmetischen Mitteln?

Der Begriff „Cocktaileffekt“ ist nicht wissenschaftlich definiert. Gemeint ist häufig ein kumulativer Effekt, der auftreten könnte, wenn verschiedene kosmetische Produkte mit Inhaltsstoffen verwendet werden, denen eine ähnliche Wirkung zugeschrieben wird. Wenn diese Inhaltsstoffe eine gemeinsame chemische Struktur haben, wie z. B. die Parabene, dann ist bei der Sicherheitsbewertung, mit der unter anderem Konzentrationsbegrenzungen im Produkt festgelegt werden, dieser Effekt berücksichtigt. Außerdem werden bei der Bewertung des möglichen gesundheitlichen Risikos sehr große Sicherheitsabstände mit eingerechnet.

Wer „kontrolliert“ Nahrungsergänzungsmittel?

Für die Sicherheit von Nahrungsergänzungsmitteln sind der Hersteller, der Importeur, der Anbieter bzw. der Vertreiber verantwortlich. Eine Kontrolle der Produkte vor dem Inverkehrbringen im Sinne einer staatlichen Zulassung findet nicht statt. Wenn das Produkt im Handel ist, unterliegt es der behördlichen Überwachung durch die Länder. Sie kontrollieren die Produkte, die am Markt angeboten werden, stichprobenartig auf ihre Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben.

Kann man Nahrungsergänzungsmittel bedenkenlos über das Internet kaufen?

Unabhängig vom Vertriebsweg gelten selbstverständlich auch für Nahrungsergänzungsmittel, die über das Internet angeboten werden, die einschlägigen deutschen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen. Es sind jedoch Einzelfälle bekannt geworden, bei denen nicht verkehrsfähige Nahrungsergänzungsmittel, über das Internet angeboten wurden. Ein Beispiel aus der Vergangenheit betrifft sogenannte Muskelaufbaupräparate. Untersuchungen der Überwachungsbehörden in Deutschland hatten gezeigt, dass einige Produkte, die über das Internet bezogen und als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet wurden, Anabolika enthielten, die nicht als Inhaltsstoffe angegeben waren.

Verbraucher sollten beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln über das Internet berücksichtigen, dass die Nutzung des Internets als Zugang zu weltweiten Märkten nicht nur Chancen bietet, sondern auch mit Risiken verbunden sein kann. Bei direktem Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln über das Internet bei Herstellern/Vertreibern im Ausland kann nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass die als Nahrungsergänzungsmittel vertriebenen Produkte deutschen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen entsprechen. Weiterhin besteht die Frage, ob es sich um seriöse Anbieter handelt und die angebotenen Produkte den für sie im Ausland geltenden rechtlichen Regelungen entsprechen.

Ist eine Nahrungsergänzung nötig und sinnvoll?

Eine kaum noch überschaubare Anzahl an Nahrungsergänzungsmitteln, die im Handel angeboten werden, vermittelt dem Verbraucher zu Unrecht den Eindruck, dass eine ausreichende Nährstoffzufuhr allein über die Ernährung mit traditionellen Lebensmitteln nicht möglich wäre. Grundsätzlich versorgt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung den gesunden Körper mit allen lebensnotwendigen Stoffen. In den meisten Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel deshalb überflüssig.

Von dieser Faustregel gibt es aber Ausnahmen: So kann eine einseitige oder unzureichende Ernährung dazu führen, dass zu wenige essentielle Nährstoffe aufgenommen werden. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf an bestimmten Nährstoffen erhöht, und bei älteren Menschen kann die Versorgung mit essentiellen Nährstoffen z.B. als Folge von Kau- oder Schluckbeschwerden sowie von Appetitverlust ungenügend sein. Auch chronisch Kranke können einen erhöhten Bedarf an essentiellen Nährstoffen haben. In diesen Fällen kann eine Ergänzung der Nahrung nötig oder sinnvoll sein. Wenn allerdings eine solche Nahrungsergänzung als zusätzliche Maßnahme bei der Behandlung oder Heilung von Krankheiten, wie einer chronischen Magen-Darm-Erkrankung angewandt wird, sollte sie in jedem Fall unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Daten über die Nährstoffzufuhr deuten darauf hin, dass einige wenige Vitamine und Mineralstoffe, wie Vitamin D, Kalzium, Folsäure und Jod, in Deutschland von manchen Bevölkerungsgruppen nicht entsprechend den Zufuhrempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE e.V.) aufgenommen werden. Dies ist jedoch nicht generell mit einer Unterversorgung oder gar einem Mangel gleichzusetzen. In Einzelfällen kann jedoch eine Nahrungsergänzung sinnvoll sein. Zum Beispiel kann die Einnahme von zusätzlichem Calcium für Menschen, die keine Milchprodukte verzehren, sinnvoll sein. Auch wird seit vielen Jahren Speisesalz mit Jod angereichert, um die Jodzufuhr in Deutschland auf breiter Basis zu verbessern.

Nichtsdestotrotz ist und bleibt die beste Ernährungsstrategie eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Nahrungsergänzungsmittel sind dafür kein gleichwertiger Ersatz.

Können Nahrungsergänzungsmittel zusammen mit Arzneimitteln eingenommen werden?

Auch bei kurzfristiger gleichzeitiger Einnahme können Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel einander beeinflussen. Ob eine Kombination geeignet ist, sollte mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder in der Apotheke geklärt werden. Wirkungen können abgeschwächt oder verstärkt werden; eine lange Einnahmedauer ist keine Voraussetzung für Wechselwirkungen.

Ihre (fach-)anwaltlichen Ansprechpartner:

  1. Rechtsanwalt Michael Horak, Dipl.-Ing., LL.M., Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht
     
  2. Rechtsanwältin Julia Ziegeler, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz, Fachanwältin für Urheber- und Medienrecht
     
  3. Rechtsanwältin Anna Umberg, LL.M., MA, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz
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